In eigener Sache1. Juni 2025 · 6 Min. Lesezeit

Rebuilding ECM-Radar.de: Wie wir das Vergleichsportal neu aufgebaut haben

Ein gewichteter Lösungsfinder, eine offengelegte Methodik und ein schlanker, statischer Stack: Wir zeigen, nach welchen Prinzipien ECM-Radar.de neu entstanden ist und was wir beim Relaunch gelernt haben.

Ein Mischpult mit sechs Schiebereglern für KI, Integration, Governance, Cloud, Enterprise-Fit und Souveränität; ein Pfeil führt zu einer persönlichen Shortlist mit drei gerankten Lösungen und Prozentwerten

Ausgangslage: Eine Entscheidung für zehn Jahre

Ein ECM-System wählt man nicht für die nächste Saison. Einmal eingeführt, trägt es oft zehn Jahre und länger Rechnungen, Verträge, Personalakten und das revisionssichere Archiv. Gleichzeitig hat sich der Rahmen verschoben: DORA gilt seit Januar 2025 für die Finanzbranche, die nationale Umsetzung von NIS-2 steht bevor, und die Debatte um digitale Souveränität ist in den Vorständen angekommen.

Damit reicht die Frage „Was kann das System?“ nicht mehr aus. Genauso wichtig ist: Wo liegen die Daten, und wer hat die Kontrolle darüber? Klassische Funktionsvergleiche beantworten das kaum. Genau hier setzt der Relaunch von ECM-Radar.de an.

Das Ziel: schnell, nachvollziehbar, europäisch

Der Leitsatz des neuen Portals steht auf der Startseite: „Das passende ECM finden. Schnell, nachvollziehbar, europäisch gedacht.“ Dahinter stehen drei Ziele:

  • Schnell: eine belastbare Shortlist in Minuten statt nach Wochen der Datenblatt-Lektüre.
  • Nachvollziehbar: Jedes Ranking lässt sich erklären. Kein Black-Box-Scoring.
  • Europäisch: Datenresidenz, Compliance und Souveränität sind Kernkriterien und keine Fußnote.

Die Zielgruppe sind Organisationen im DACH-Raum, die eine ECM-Auswahl vorbereiten, häufig unter regulatorischem Druck und mit wenig Zeit.

Informationsarchitektur: Struktur vor Design

Bevor die erste Farbe feststand, haben wir die Frage geklärt, mit der Besucherinnen und Besucher kommen. Die Navigation folgt deshalb nicht der Logik eines Anbieters, sondern den Fragen von Käufern:

BereichKäuferfrage
VergleichWelche Lösung passt zu meinen Prioritäten?
AnbieterWer ist am Markt, und wie ist ein Anbieter einzuordnen?
EinsatzfelderWelches System passt zu welchem Szenario, etwa Rechnungen, Verträge oder SAP?
SouveränitätCloud, On-Premises oder hybrid? Und wo bleiben meine Daten?
MethodikWie wird bewertet, und wo liegen die Grenzen der Bewertung?

Herzstück: der gewichtete Lösungsfinder

Im Zentrum des Portals steht der gewichtete Lösungsfinder. Über Schieberegler legen Sie fest, was Ihnen wichtig ist, und das Ranking von 21 Lösungen berechnet sich bei jeder Änderung sofort neu. Zum Start bewertet der Finder sechs Kerndimensionen:

DimensionLeitfrage
KIWie ausgereift sind Klassifikation, Extraktion und Assistenzfunktionen?
IntegrationWie gut bindet die Lösung ERP, CRM, Microsoft 365 und offene APIs an?
GovernanceAufbewahrungsfristen, Audit-Trails, Records Management, Compliance
CloudSaaS-Angebote, Hybridszenarien, Betriebsmodelle
Enterprise-FitSkalierbarkeit, Ökosystem, Referenzen in Großunternehmen
Digitale SouveränitätEuropäisches Hosting, On-Premises-Fähigkeit, Unabhängigkeit vom Hersteller

Das Prinzip ist bewusst einfach: Jedes Kriterium erhält von Ihnen ein Gewicht, jede Lösung hat pro Kriterium einen Score. Die gewichtete Summe bestimmt die Reihenfolge. Wir hätten das Modell komplizierter machen können. Wir haben es nicht getan, weil ein Ergebnis, das sich nicht erklären lässt, in keinem Entscheidungsgremium besteht.

Ein Beispiel zeigt den Effekt: Eine Behörde, die Souveränität und Governance hoch gewichtet, erhält eine ganz andere Shortlist als ein wachsendes Unternehmen, für das Cloud und KI an erster Stelle stehen. Eine feste Rangliste für alle gibt es nicht, und genau deshalb gibt es die Regler.

Transparenz statt Marketing

Ein Vergleichsportal ist nur so viel wert wie das Vertrauen in seine Bewertungen. Deshalb haben wir einige Grundsätze festgelegt:

  • Offene Methodik: Wie bewertet wird und welche Analystenquellen einfließen, steht auf einer eigenen Seite.
  • Offengelegte Nähe: ECM-Radar begleitet seit vielen Jahren Doxis-Einführungen. Diese Nähe wird ausdrücklich ausgewiesen, ebenso der Hinweis, dass Doxis nicht automatisch für jedes Szenario die beste Wahl ist.
  • Ehrliche Lücken: Anbieter mit geringer DACH-Präsenz sind gelistet, erhalten aber kein ausführliches Detailprofil, und das steht auch so da.
  • Klarer Disclaimer: ECM-Radar gibt keine Rechts-, Beschaffungs- oder Analystenempfehlung.

Mehr als eine Vergleichstabelle

Ein Ranking allein ersetzt kein Auswahlprojekt. Rund um den Finder ist deshalb weiterer Inhalt entstanden:

  • Einsatzszenarien für typische ECM-Anwendungsfälle wie Rechnungsverarbeitung, Vertragsmanagement, SAP-Integration oder Public Sector.
  • Ein eigener Bereich zur digitalen Souveränität mit Betriebsmodellen und Datenresidenz.
  • Das kostenlose Whitepaper „ECM-Auswahl in 7 Schritten“ mit Demo-Drehbuch, Souveränitäts-Check und TCO-Vorlage.
  • Dieser Blog mit Fachbeiträgen, etwa zu Regulierung, Architektur und KI im Dokumentenmanagement.

Ein schlanker, statischer Stack

Technisch ist ECM-Radar.de eine statische Multi-Page-Website: HTML, CSS und ein wenig JavaScript für den Lösungsfinder. Kein CMS, keine Datenbank, keine Plugins. Das war eine bewusste Entscheidung mit vier Vorteilen:

  • Performance: Die Seiten laden sofort, das Ranking wird direkt im Browser berechnet.
  • Sicherheit: Ohne CMS, Datenbank und Plugins bleibt die Angriffsfläche klein.
  • Datenschutz: Keine unnötigen Aufrufe von Drittanbietern. Für ein Portal, das über Souveränität schreibt, ist das eine Frage der Glaubwürdigkeit.
  • Betrieb: Einfaches, günstiges Hosting, jede Änderung ist in Git versioniert und nachvollziehbar.

Lessons Learned

  1. Bei den Fragen der Käufer beginnen. Wer die Fragen kennt, bekommt die Navigation fast geschenkt.
  2. Die Gewichtung den Nutzern überlassen. Eine feste Rangliste passt nie für alle.
  3. Jede Bewertung erklären. Transparenz ist das eigentliche Produkt eines Vergleichsportals.
  4. Den Stack einfach halten. Statische Seiten sind schnell, sicher und für weit mehr geeignet, als viele denken.
Probieren Sie es aus: Stellen Sie im gewichteten Lösungsfinder Ihre eigenen Prioritäten ein und sehen Sie, wie sich die Shortlist verändert. Sie möchten über Ihre ECM-Architektur sprechen? Nehmen Sie Kontakt auf.

Fazit

Der Relaunch von ECM-Radar.de folgt einer einfachen Idee: Eine ECM-Auswahl wird besser, wenn die eigenen Prioritäten sichtbar werden und jede Bewertung nachvollziehbar bleibt. Der Lösungsfinder liefert dafür einen Startpunkt, keine fertige Entscheidung. Die eigentliche Arbeit beginnt mit der Shortlist: Demos, Proof of Concept und ein ehrlicher Blick auf das Betriebsmodell.

Und bei Ihnen? Welchen Regler würden Sie zuerst ganz nach oben schieben?

Redaktioneller Beitrag des ECM-Radar, Stand 1. Juni 2025. Alle Bewertungen im Portal sind redaktionelle Heuristiken und keine Analysten-Scorecard. Keine Rechts-, Beschaffungs- oder Analystenempfehlung.